Die Angst vor dem Tod hindert uns am Leben aber nicht am Sterben.
Paul C. Roud
Feng Shui in der Grabgestaltung
Modetrend oder ein Teil der Friedhofskultur?
Feng Shui, die alte, asiatische Lehre vom Leben und Wohnen in Harmonie mit der Umgebung, hat ihren Platz in der Gestaltung von westlichen Wohn- und Arbeitsräumen fest erobert. Das Bestreben nach mehr Geborgenheit und dem Wohlfühlen in den eigenen vier Wänden entspricht unseren Grundbedürfnissen, die nach einem Ausgleich zum hektischen Alltag suchen.
Feng Shui und Friedhof scheinen für uns aber in keiner Verbindung zu stehen. Vielleicht würden wir dabei eher an einen ungewöhnlichen Modetrend denken und uns äußerst reserviert verhalten. Doch Feng Shui und Friedhof, besser gesagt der Ahnenkult, sind vom Ursprung her eng miteinander verbunden. Die Entwicklung des Feng Shui in Asien begann nicht, wie man vielleicht annimmt in den Kaiserpalästen, sondern bei der Suche nach einer optimalen Grabstätte. Im alten China glaubte man, dass der Tod eines Menschen nur das Ende der sterblichen Hülle bedeute, während die Seele im Jenseits weiter existiere. Deshalb wurde großer Wert auf die Bestattung und die Anlage von Gräbern gelegt. Der Aufwand, den man dabei unternahm war ernorm. Man suchte nach einem optimalen Grundstück für das Grab, ermittelte die günstigste Himmelsrichtung für den Verstorbenen, wählte ein günstiges Datum für die Bestattung und beachtete komplizierte Regeln bei der Gestaltung des Grabsteins. Diese Kunst der Grabgestaltung ist zum festen Bestandteil der Weltkultur geworden. Als Beispiel dient hier die wohl berühmteste Grabanlage des alten China, das vor gut 2000 Jahren erbaute Mausoleum des ersten Kaisers der Qin-Dynastie in der Provinz Shaanxi. Die als Grabwächter fungierende Tonkrieger-Armee gilt als das 8. Weltwunder.
Sicher muss an dieser Stelle betont werden, dass die gesamte Entwicklung in einer für uns fremden Kultur und vor einem völlig unterschiedlichem Hintergrund aus Religion und sozialpolitischen Einflüssen stattgefunden hat. Deshalb wäre eine direkte Übertragung der Regeln und Empfehlungen auf unsere Gepflogenheiten weder möglich, noch sinnvoll.
Bei inhaltlicher Betrachtung des Feng Shui für Grabstätten fällt jedoch auf, dass zahlreiche Prinzipien der Gestaltung konform mit unseren Gefühlen und Gewohnheiten gehen. Sie machen transparent und deutlich, warum bestimmte Gestaltungsformen gezielt unser Emotionen unterstützen. Über diesen Weg kann das Feng Shui in der Grabgestaltung den Stellenwert der Friedhofskultur in unserer Gesellschaft positiv stützen.
Was heißt es genauer, Gräber nach Feng Shui zu gestalten? Auf keinem Fall geht es dabei um Asiatika, d.h asiatisch anmutende Dekorationen und Symbole. Diese würden auf einem europäischen Friedhof wie Fremdkörper wirken und keinen Zugang zu unseren Gefühlen finden. Anwendbar sind die lebensphilosophische Ursprünge des Feng Shui. Zu den wichtigsten und wirksamsten Grundlagen zählt das Prinzip des Lebensenergieflusses (das Qi) und der Polarität von Yin und Yang. In der praktischen Anwendung kommen diese Prinzipien in der Auswahl von Formen, Farben und Materialien zum Ausdruck. Die genaue Erklärung ihrer funktionellen Wirkung, würde den Rahmen des Artikels weit sprengen. Für Interessenten bieten wir deshalb Vorträge und Workshops zum Thema.
Zusammengefasst zeichnet sich eine Grabgestaltung nach Feng Shui durch folgende Merkmale aus:
· klare, miteinander harmonierende Formen
· stabile, schutzgebende Bauweise
· Sparsamkeit in Anwendung von Farben, grelle, sehr lebhafte Farbmischungen sind zu meiden
· Polarität in der Gestaltung, z.B. Licht-Schatten-Spiele, weiche-harte Oberflächen, hohe und niedrige Elemente miteinander kombinieren
· Symbolik, die entweder der individuellen Glaubensrichtung, dem Kulturkreis entspricht oder das persönliche Gefühl zum Ausdruck bringt
· Individualität in der Umsetzung
Feng Shui in der Grabgestaltung anzuwenden ist nicht das Ziel an sich, sondern es stellt einen möglichen Weg, die Verstorbenen würdig zu huldigen und für sich selbst einen emotionalen Ruhepunkt zu schaffen. Feng Shui kann uns helfen, die Vergänglichkeit zu akzeptieren und die Beständigkeit zu zulassen.
Wenn Sie mehr zum Thema erfahren möchten oder an einer persönlichen Beratung interessiert sind, sprechen Sie uns gerne an.